Kinderspielplätze in Gefahr

Zahlreiche Kinderspielplätze wurden in Pulheim in den vergangenen Jahren aufgegeben und einer Wohnnutzung zugeführt. In einigen Fällen erfolgte zunächst eine Umwandlung in eine Grünfläche. Die Begründung, unterstützt durch fachliche Aussagen des städtischen Jugendamtes, lautete stets, dass ein Bedarf nicht mehr bestehe. Dabei liegt der Bestand an Kinderspielplätzen mit einer Gesamtfläche von ca. 100.000 qm in Pulheim nicht sonderlich hoch. Nach den Planungsrichtwerten des Landes NRW (2,4 bis 4,6 qm/Einwohner, abhängig von der Einwohnerdichte, in Pulheim wird der Wert 2,4 zugrunde gelegt) ergibt sich vielmehr ein Fehlbedarf von ca. 25.000 qm.

Nun ist nicht von der Hand zu weisen, dass sich in älteren Baugebieten aufgrund gleichzeitig erfolgter Besiedlung mit der Zeit ein deutlicher Wandel der Altersstruktur und damit eine Abnahme der relevanten Kinderzahl (0 – 14 Jahre) ergeben kann. Unberücksichtigt bleibt allerdings dabei, dass durch Zuzug jüngerer Familien auch wieder ein umgekehrter Wandel der Altersstruktur entsteht, mit der Folge eines neuerlichen Bedarfs an Kinderspielplätzen. Nach Privatisierung und Bebauung stehen dann entsprechende Flächen nicht mehr zur Verfügung. Sinnvoller wäre unter diesem Gesichtspunkt die Beibehaltung solcher Flächen in öffentlicher Hand und eine vorübergehende Nutzung, beispielsweise als Bürgerpark.

Als Fallbeispiel sei hier ein Vorgang erwähnt, der im vergangenen Jahr Politik und Öffentlichkeit beschäftigte und unter  Beteiligung der Agenda und letztlich mit Unterstützung aller Ratsfraktionen zu einem positiven Ende im Sinne von Nachhaltigkeit geführt werden konnte. Es handelte sich um einen Spielplatz, Größe ca. 350 qm, in einem Baugebiet aus den 70er Jahren an der Liethenstraße im Ortsteil Dansweiler. Nach Vorlage der Verwaltung sollte der Platz, der vor einigen Jahren in eine Grünfläche umgewandelt worden war, veräußert und mit einem Wohnhaus bebaut werden.

Die zusätzliche herangezogene Begründung, es handele sich hierbei um eine sinnvolle und notwendige städtebauliche Verdichtung, kann angesichts der Tatsache, dass es sich ja um ein einziges Wohnhaus handeln sollte, getrost als euphemistisch (= beschönigend) abgetan werden. Im Gegensatz zu neueren Baugebieten ist das in Frage stehende Baugebiet mit relativ kleinen Grundstücken und einer durchgehenden Reihenhausbebauung bereits als verdichtet anzusehen und erhielt bei seiner Entstehung durch insgesamt drei in das Gebiet integrierte Spielplatzflächen eine gewisse Auflockerung und Aufwertung.

Entscheidend war dann aber neben dem Argument einer möglichen späteren Rückverwandlung schließlich das Angebot einer Bürgerinitiative der Nachbarschaft, Verantwortung und Kosten der Pflege des Platzes in Patenschaft zu übernehmen und vertraglich zu regeln. Außerdem die Idee, hier nach dem Vorbild anderer Städte ein Model des sog. Urban Gardening zu realisieren, bei dem in einem frei zugänglichen Garten gemeinsam gegraben, gepflanzt und geerntet werden kann, besonders unter Beteiligung und zur pädagogischen Förderung von Kindern (siehe hier).

Nachdem im vergangenen Jahr zwei weitere Spielplätze in Pulheim in Bauflächen umgewandelt wurden, wohl der Preis für die Rettung des vorgenannten Platzes, sind zurzeit keine Plätze durch ähnliche Absichten gefährdet. Es heißt hier aber für die Zukunft wachsam zu sein. Bei weiteren Fällen könnte das positive Beispiel aus Dansweiler hilfreich sein.

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