Ausbau der Stromtrassen durch Pulheim

Müssen mehr „Stromautobahnen“ wirklich sein? - Energieforum fordert „Faktencheck“ und Diskussion über sinnvollere Alternativen zum Neubau der Höchstspannungsleitungen Rommerskirchen – Sechtem

Stromtrasse Niederaussem

Pressemitteilung des Forum Energie vom 27.03.2012

Bis zum 05.04.12 hatten die Pulheimer Bürger Zeit, um ihre Einwände gegen den Ausbau der Stromleitungen durch das Pulheimer Stadtgebiet vorzubringen.

Den Ausbau auf „vier statt zwei“ 380 kv Höchstspannungsleitungen hatte der Netzbetreiber AMPRION bei der zuständigen Genehmigungsbehörde beantragt und die entsprechenden Pläne im Pulheimer Rathaus zur Einsicht ausgelegt. Formal geht also alles mit rechten Dingen zu, denn auch die Naturschutzverbände sind als „Vertreter öffentlicher Belange“ in das Planfeststellungsverfahren mit einbezogen.

Bürgerbeteiligung ist nicht gewollt

„Doch der Netzausbau ist längst beschlossenen Sache“ stellt Hans-Jürgen Jonas, Sprecher des Forum Energie der Lokalen Agenda 21 in Pulheim fest und „eine echte Bürgerbeteiligung sei eigentlich gar nicht gewollt“.

Grundlage des Leitungszubaus ist nämlich das Energieleitungs Ausbaugesetz (EnLAG) von 2009. In diesem „Artikelgesetz“ wird in gerade Mal nur drei Paragraphen der Netzausbau gesetzlich festgeschrieben und sogar festgelegt welche Leitungstrassen auszubauen sind. Als sogenanntes „Beschleunigungsgesetz“ wird darin der Rechtsweg auf nur eine Instanz verkürzt. Ein Verbot der Querung von Naturschutzgebieten sucht man darin vergeblich.hfl am pulheimer bach Und abgesehen von wenigen „Pilotprojekten“ wird die Verlegung von Erdkabeln in der Nähe von Wohngebieten, wie sie z.B. in Niedersachsen gesetzlich vorgeschrieben ist, in das Belieben der Netzbetreiber gestellt. 

Notwendigkeit ist äußerst zweifelhaft

Dabei ist aus Sicht des Energieforums fraglich, ob der geplante Netzausbau überhaupt gebraucht wird. Die Studie der Deutschen Netzagentur (dena I), die als Folie für das Gesetz von 2009 gilt, prognostiziert nur die generelle Notwendigkeit eines Netzbaus ohne aber den technischen Bedarf letztendlich auch zahlenmäßig zu begründen. So ist zwar in der öffentlichen Diskussion immer wieder von der Einbindung der Erneuerbaren Energien in die Stromnetze die Rede, aber der Netzausbau folgt eindeutig der Logik der Versorgung mit großen Strommengen über große Strecken. Und wohl nicht nur zufällig bindet die Trasse im Streckenabschnitt Rommerskirchen-Sechtem beispielsweise auch das Braunkohlekraftwerk in Niederaussem ein.

Von Energiewende im Stromnetz kann daher keine Rede sein

„Eine wirkliche Energiewende, weg von zentralen Großkraftwerken und weit entfernten Verbrauchern, hin zu dezentraler Energieerzeugung und Energieverteilung braucht den zentralisierten Netzausbau nicht“, fasst Hans-Jürgen Jonas vom Forum Energie die Argumente zusammen und fordert deshalb einen Faktencheck, ob der Ausbau der Stromleitungen in PulheimStromautobahn PulheimerBach 2, als Teilstück einer bundesweiten Nord-Süd Verbindung, überhaupt in dieser Form noch gebraucht wird. Neben der unnötigen Belastung für Mensch und Umwelt drohen zudem Fehlinvestitionen in Milliardenhöhe, es sei denn, man möchte die Infrastruktur der Energieverteilung in den Händen der vier großen Energieerzeuger für die nächsten 80 Jahre festschreiben.

Stromnetze optimieren statt Stromautobahnen ausbauen

Das Energieforum der Lokalen Agenda 21 schließt sich daher der Forderung der großen Naturschutzverbände nach „Optimierung der Stromnetze“ und einer „intelligenten Energieverteilung“ an. D.h. die Netzoptimierung sollte Vorrang vor starrem Netzausbau haben. Zusätzlich zu einer Strategischen Umweltprüfung wie sie die Umweltverbände BUND, Nabu u.a. fordern, muss nach Ansicht des Energieforums aber dringend auch eine "Strategische Bedarfs- und Auslastungsplanung" erfolgen, in die die dezentrale Energiebereitstellung beispielsweise durch kommunale Erzeuger und Bürgerenergieanlagen mit einbezogen wird.

Stromtrassen

Schon jetzt sind bereits die technischen Voraussetzungen für eine „Wende bei der Weiterentwicklung des Stromnetzes“ vorhanden. Auch bei der Entwicklung des Stromnetzes gilt es also Abschied zu nehmen von den fossilen Denkstrukturen hin zu intelligenten Lösungen. Das aber braucht auch die stärkere Einbindung der kommunalen Versorger und echte Bürgerbeteiligung schon in der Phase der Bedarfsplanung.

 

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