Saubere Luft über dem Rheinischen Braunkohlerevier?

Erneuerbare Energien machen es - zu mindestens zeitweise - möglich! An Tagen wie diesen, wenn Sonne und Wind, alleine oder vereint, bereits 100% des Energiebedarfs in Deutschland decken, dann müssten sie eigentlich abgeschaltet werden: die Braunkohlekraftwerke im Rheinischen Braunkohlerevier.Niederaussemplusplus

Im Umkreis von nur 30 km befinden sich drei der zehn schlimmsten Luftverschmutzer in Europa:

Neurath, Niederaussem und Frimmersdorf - nur wenige Kilometer entfernt in Weisweiler steht noch ein weiteres Braunkohlkraftwerk mit absoluten Spitzenwerten in punkto Luftverschmutzung.

Etwa 88 t Braunkohleabgase werden hier jährlich in Form von Co2, Schwefel- und Stickoxiden, Ammoniak, Fluor, Chlor, Zink, Arsen, Quecksilber und Feinstaub (PM10 und kleiner) in die Luft geblasen ohne dass dem Verursacher RWE dadurch nennenswerte Unkosten entstehen. Dabei hat eine Studie der Europäische Umweltagentur (EUA) errechnet, dass durch die Luftverschmutzung jedem EU-Bürger im Jahr zwischen 200 und 300 Euro (Stand 2009) an Folgekosten für Gesundheit und Umweltzerstörung entstehen. Das wären für einen 4 Personenhaushalt also umgerechnet ungefähr 100 Euro Luftverschmutzungsfolgekosten im Monat! 

Während die Kosten bzw. die Folgen der Luftverschmutzung also letztendlich wir Alle tragen müssen, kommen die Gewinne der Braunkohleverstromung dagegen nur dem RWE-Konzern zu Gute.

Aber wie kann man seine Profite behalten und am besten von diesen Folgekosten ablenken?

Z. B. indem man mit dem Finger auf die "enormen Kosten der Energiewende" und die "ständig steigenden Kosten des erneuerbaren Stroms" aus Sonne und Wind zeigt. Aber seltsamerweise kann die EEG-Umlage durch einen niedrigen Börsenpreis in die Höhe getrieben werden! Der aber wird nicht durch das Überangebot an sauberem Strom aus Erneuerbaren Energien "erzeugt", sondern durch den Weiterbetrieb der schmutz- und abfallerzeugenden Grundlastkraftwerke (Kohle und Atom) bewußt verursacht. Denn Abschalten, so die fossilwirtschaftliche Logik, macht den Strom aus Kohle und Atom teuer und unwirtschaftlich.

Strom, erzeugt zu 100% nach dem Reinheitsgebot…

Tatsächlich gebraucht werden daher schnell die Abschaltung der schmutzigen Kohle-und Atomkraftwerke und regelbare Gas- und Dampfkraftwerke als Ausgleich für die schwankende Einspeisung an Erneuerbaren Energien. Das würde dann nicht nur für die GuD-Kraftwerke wieder rentabel machen, sondern ergäbe dann auch einen stabilen Börsenpreis für die Erneuerbaren und damit eine sinkende EEG-Umlage! Aber selbst wenn der Mythos vom billigen Kohle-Atom-Strom stimmen würde, wer gibt den Stromerzeugern überhaupt das Recht unsere Atemluft zu verschmutzen? Und "wer würde etwa Schmutzwasser von einem Wasserversorger trinken, nur weil es ein paar Cent billiger ist?" (Hermann Scheer)

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