Katastrophen-Vertuschungs-Reaktor Jülich

"Störfall jahrzentelang vertuscht" titelte der Kölner Stadt Anzeiger. "Der Betrieb des Atom-Versuchsreaktors AVR in Jülich von 1967 bis 1988 ist über weite Strecken eine Art Blindflug durch eine der gefährlichsten Technologien in Menschenhand gewesen." kommentiert die Aachener Zeitung (az) anlässlich der Veröffentlichung des Untersuchungsberichtes einer Expertengruppe am 26.04.2014.

1978 kam es im Jülicher Versuchsreaktor zu einem Störfall, bei dem es beinahe zum Super-GAU gekommen wäre. Auch wenn die schlimmste Katastrophe damals nicht eingetreten ist, kam es zu einer Verseuchung des Grundwassers und einer der wahrscheinlich größten Strontium-Emmissionen weltweit. All dies wurde jahrzehntelang vertuscht und gut 36 Jahre danach können auch die Untersuchungsexperten das damalige Geschehen nur lückenhaft rekonstruieren. So enthält der Bericht auch nur bereits "Bekanntes", benennt immerhin viele haarsträubende Mängel, ohne jedoch wesentliches zur Aufklärung beizutragen. Im wichtigsten Punkt - der Gefährdung durch Radioaktivität - beschwichtigen die Experten sogar, indem sie einen Zusammenhang zu gehäuften Leukemiefällen im Umkreis des Atomreaktors nach altbekanntem Muster wegdiskutieren. 

Der Abschlußbericht der Expertengruppe liegt in einer Langfassung und als Kurzbericht vor. Zum Bericht findet am 10. Juni 2014 um 18:00 Uhr eine öffentliche Veranstaltung im Technologiezentrum Jülich statt.

Informativer und aufschlussreicher dürfte dagegen die angekündigte Buchveröffentlichung von Rainer Moormann, ehemaliger Mitarbeiter in Jülich, und des Journalisten Jürgen Streich zum AVR-Komplex werden.

In der zweiteiligen Reportage "Gebt uns die Kugel" und "Strahlendes Glanzstück" wird die Vertuschung der Katastrophe durch den fortgesetzten Normalbetrieb anschaulich beschrieben.

Umfassende Hintergundinformationen zum AVR in Jülich bietet die BUND-Broschüre Kugelhaufenreaktoren und die Internetseite reaktorpleite.de.

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